The Suffragist Series: Why I Vote

 

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Warum ich wähle

Deutschland ist ein altes Land. In den Bundestagswahlen im September 2017 werden über 50-jährige Wähler mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten ausmachen, davon sind 20,7% von ihnen über 70 Jahre alt. Die Zukunft des Landes und damit die Zukunft der jungen Menschen, unsere Zukunft, wird also vor Allem von älteren und alten Menschen geformt. Menschen, die in Zeiten aufgewachsen sind in welchen Frauen ihren Ehemann um Erlaubnis fragen mussten wenn sie arbeiten wollten. Zu viele von ihnen finden es immer noch unnatürlich, dass ein Mann einen Mann lieben kann und eine Frau eine Frau. Obwohl wir unsere Großeltern und konservativen Tanten lieb haben und ihnen aufgrund ihres Alters vergeben, dass sie immer noch schwarze Menschen als Neger und Türken als Kanaken bezeichnen, wünsche ich mir für mich und meine Generation eine tolerantere Welt. Eine Welt in der Minderheiten gehört und respektiert werden, dadurch dass Rassismus und Sexismus ernsthaft bekämpft werden, und in der Menschen mit Behinderung die Unterstützung bekommen, die sie verdienen. Eine Gesellschaft, in der wir sexuelle, ethnische und religiöse Diversität nicht in Frage stellen, sondern zelebrieren.

21 bis 30-jährige Wähler stellen dieses Jahr nur 11,8% aller Wahlberechtigten dar, davon ist nicht einmal die Hälfte weiblich. Folglich sind unsere Möglichkeiten die deutsche und damit die europäische und internationale Politik zu beeinflussen begrenzt. Umso wichtiger ist es deswegen, dass wir unsere Stimmen so stark wie möglich zum Ausdruck bringen und deutlich  machen, in welche Richtung sich unsere Welt bewegen soll!

Hierfür scheint oft keine Partei die Richtige zu sein und selbst die unter uns, die sich die Mühe machen Parteiprogramme zu lesen sind manchmal versucht die Wahl sausen zu lassen, weil sie keiner Partei guten Gewissens die volle Unterstützung geben können. Hier gilt es Prioritäten zu setzen. Mich persönlich überzeugt keine Partei vollkommen, jedoch weiß ich sehr genau wen ich auf keinen Fall im Parlament sehen möchte! Nicht alle Politiker sind schlecht, aber manche sind schlimmer als andere. Wir müssen unsere Stimme zum einen dazu benutzen, engagierte und ehrliche Politiker zu belohnen und zum Anderen sicher gehen, dass denen die unserer Gesellschaft schaden möchten, der Zugang zu Machtpositionen verwehrt wird. Wenn Du nicht wählst verlierst Du damit sowohl das Recht dich zu beschweren als auch dich als legitime Bürgerin/legitimer Bürger einer demokratischen Nation zu sehen.

Die Wahl ist nicht nur die Aufgabe eines jeden Mitglieds unserer Gesellschaft und ein Privileg, welches vielen Menschen auf der Welt verwehrt ist, sie ist vor Allem eine Verantwortung, die wir alle tragen. Gegenüber uns selbst und unseren Nachkommen, aber noch wichtiger: Gegenüber denen, deren Stimme von unserer Gesellschaft weniger schwer gewichtet wird als unsere eigene. Frauen, religiöse und ethnische Minderheiten, Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen, LGBTQ+Zugehörige, Ausländer, die sich aus jeglichen Gründen in Deutschland aufhalten und Menschen in Transit. Wenn es dir nicht wichtig ist für dich selbst zu wählen, dann bist Du es dennoch anderen schuldig dich für eine gerechtere Welt einzusetzen. Zu dieser Verantwortung gehört es auch, dich selbstständig und unabhängig mit der Politik deines Landes auseinanderzusetzen und dich möglichst wenig von deinen Eltern beeinflussen zu lassen. Wähle nicht mit deinem Bauch, sondern mit deinem Verstand! Eine Alternative ist eine Möglichkeit, die man anstelle einer anderen wählen kann. Alternativ bedeutet nicht automatisch besser.

Vor Allem Frauen haben eine besondere Wahlpflicht, da wir das Recht zu Wählen den tapferen Suffragetten des letzten Jahrhunderts verdanken. Sie mussten uns die politische Gleichstellung der Frau hart erkämpfen und deswegen müssen wir ihr Andenken ehren, indem wir dieses Recht wahrnehmen. Wäre es uns nicht erlaubt zu wählen würden sich die Meisten von uns beschweren, deswegen gibt es keinen Grund nicht zu wählen, obwohl wir es können.

Frauen aus aller Welt haben sich das Wahlrecht erkämpft und sind in verschiedenen Ländern auf männlichen und sogar weiblichen Widerstand getroffen, der manchmal sexistische, manchmal rassistische, klassizistische oder ökonomische Gründe hatte. Je nachdem welche politische Lage die Suffragetten zu verändern gesucht haben, mussten sie sich mit der Situation der jeweiligen Gesellschaft auseinandersetzen und neben ihren eigenen Männern auch noch Kolonialismus oder Monarchien bekämpfen.

The Suffragist Series widmet sich Aktivistinnen, die für das universelle Wahlrecht gekämpft haben, und beschäftigt sich mit den verschiedenen Hindernissen, die sie auf ihrem Weg zur politischen Emanzipation überwinden mussten. In den folgenden Wochen werden wir Suffragetten und deren individuelle Hindernisse am Beispiel von Ländern wie China, Neuseeland und Australien vorstellen, denn wenn wir uns unserer Geschichte bewusst sind haben wir die besten Chancen Populismus und ungerechte Politik zu vermeiden.

Emanzipation basiert auf Bildung und Verantwortung!

 

Why I Vote

Germany is an old country. In the parliamentary election taking place in September 2017, more than half of the citizens eligible for voting will be 50 years or older and even 20.7% of them will be 70 years or older. The future of this country and its youth, our future, is basically being formed by elderly and old people. People who grew up in times when a wife had to ask her husband for his consent if she wanted to work. Too many of them still believe that it is unnatural for a man to love a man and a woman to love a woman. Nonetheless, we love our grandparents and conservative aunties and some of us have accepted that they will call black people the n-word and insult foreigners (because let’s face it: they’re too old to change). However, I am hoping to create a more tolerant world for my generation to live in. A world in which minorities are heard and respected, because we are actively fighting racism and sexism, and in which humans with disabilities find the support they require. A world in which we do not question but celebrate sexual, ethnic and religious diversity.

This year, voters of the age group 21 to 30 only constitute 11.8% of all citizens eligible to vote, with women making up less than half of this tiny number. Therefore, our ability to influence German and consequently European and international politics is highly limited. This means that it is ever more important for us to form a strong voice that confidently states in which direction our world should evolve!

Oftentimes, no party seems to be fit for this job. Even people who actually make time to read through the various manifestos are sometimes tempted not to vote at all. Personally, I am not fully convinced by any of the parties however I know exactly who I do not want to see entering parliament! Not all politicians are bad. Some are worse than others. Therefore, we must use our vote to reward hard working and genuine politicians as well as to make sure that those who intend to harm our society are kept out of government. If you do not vote you lose the right to complain. Therefore, if you don’t vote you don’t matter as a citizen of a democratic country.

Voting is not only a duty of every member in our society, it is also a privilege which is still being denied to lots of people around the world. More importantly, it is a responsibility we all hold. Towards ourselves and our descendants, but first of all towards those whose voices are considered to be less relevant by society. Women, religious and ethnic minorities, humans with disabilities and mental health issues, members of the LGBTQ+ community, foreigners and people in transit. If you do not consider it necessary to vote for your own sake, you still owe it to others to at least try and create a fairer world for them. This responsibility also entails engaging with the politics of your country independently without allowing too much external influence. Don’t make your vote a gut decision, make it a mindful one!

Particularly women have a special duty to vote, as we only have this right thanks to the brave suffragists of the last century. They fought for our universal suffrage and we have to honour their legacy by being aware and making use of our privilege. If we were not allowed to vote many of us would complain, so it makes absolutely no sense not to vote even though we can.

All over the world, women had to fight for their right to vote and were met with male and even female resistance, sometimes due to sexist and sometimes due to racist, classist or economic reasons. Depending on the political situation that the suffragists sought to change, they had to overcome more pressing situations such as colonialism or monarchies first in order to then deal with the attitudes of their own men.

The Suffragist Series is devoted to activists who fought for female suffrage and aims to educate young women about the obstacles they had to overcome on their way to political emancipation. In the following weeks, we will upload small essays using countries such as China, New Zealand or Australia as examples for different suffragist struggles.

Knowing our history is the best chance for us to avoid populism and unfair politics. Female empowerment lies in education and responsibility.

Text by Amuna Wagner
Photo by Hannah Wolny 

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